Ich war am Dienstag im Gymnasium um die Unterlagen für die Einschreibung meines zukünfigen 5-Klässlers abzugeben. Das fatale dabei war, ich war 4 Werktage zu spät dran.
Ich hatte nicht wahrgenommen, dass zwischen Übergabe des Grundschul-Zwischenzeugnisses und Einschreibeschluss im Gymnasium nur 3 Werktage lagen.
Ja klar, ich hätte mich vorher genauer informieren müssen, und die Unterlagen schon vorbereiten können. Und vielleicht stand der Termin auch irgendwo in den vielen Elternbriefen oder Nachrichten von denen ich täglich mehrere auf meinem Handy angezeigt bekomme.
Als ich am Montagabend auf die Webseite des Gymnasiums schaute, um mir die Unterlagen runterzuladen, war ich geschockt. So ein Mist, dachte ich. Ich hatte sofort ein immens schlechtes Gewissen und dachte auch darüber nach was wäre, wenn mein Sohn nun wegen mir nicht mit seinen Schulkameraden zusammen auf das Gymnasium in unserer Nachbarschaft gehen könnte. Ich schickte sofort eine E-mail ans Sekretariat, in der ich mein Versäumnis beschrieb. Ich entschuldigte mich mehrmals und kündigte an, dass ich sofort am nächsten Tag vorbei kommen könnte um die Unterlagen abzugeben.
Am nächsten Morgen, um 4:30 Uhr, lange bevor die Kinder aufwachten, begann ich mit der Zusammenstellung der Unterlagen. Es war keine größeres Problem schnell alles zusammen zu suchen und das Anmeldeformular auszufüllen. Früh aufzustehen ist für mich auch nichts Ungewöhnliches. So kann ich Dinge erledigen, für die tagsüber oft die Zeit fehlt. Dafür gehe ich abends früher ins Bett.
Erster Gang ins Gymnasium
Glücklicherwise kam noch am selben morgen eine positive Rückmeldung der Schule. Ich sollte bis 16 Uhr vorbei kommen und die Unterlagen bringen. Also tat ich das.
Ich traf vor dem Sekretariat eine Frau, die mich sofort ansprach. Als sie die Unterlagen entgegen nahm, sagte sie nur trocken. „Sie wissen ja, dass sie zu spät sind. Wir werden es prüfen und Ihnen Bescheid geben“. Mir rutschte das Herz in die Hose. Was wäre, wenn mein Sohn nun wegen mir nicht in seine Wunschschule käme, dachte ich erneut.
Dadurch, dass zwei weitere Mitarbeiter das Szenario beobachteten, fühlte ich mich wie ein getadeltes Kind. Ich erwiderte nur: „Ok, dankeschön“. Zu mehr war ich nicht fähig.
Ich sagte nicht, dass ich sechs Kinder habe und ich den Termin bei so viel Organisiererei einfach übersehen hatte. Die Anzahl der Kinder sollte aus meiner Sicht hierbei auch keine Rolle spielen. Ich möchte mich mit dieser Tatsache nicht entschuldigen müssen. Ich versäumte es auch zu erwähnen, dass bereits mehrere ältere Geschwister das selbe Gymnasium besuchen.
So saß ich danach im Auto und fühlte mich schuldig. Ich fuhr in den Kindergarten um meine Tochter abzuholen.
Zweiter Gang ins Gymnasium
Als ich samt meiner Tochter wieder im Auto saß, zeigte mir mein Handy zwei verpasste Anrufe an. Einer war vom Gymnasium und einer von meinem Mann. Ich rief meinen Mann zurück. Er berichtete mir, dass die Schule gerade angerufen hatte. Es ging um die verspätete Einschreibung. Die Schule verlangte eine schriftliche Begründung, warum die Einschreibung nicht fristgerecht erfolgt ist, unterzeichnet von uns Beiden. Ich dachte ich höre nicht richtig. Erneut hatte ich das Gefühl, wie ein Kind behandelt zu werden, dem man eine Strafarbeit auferlegt. Was sollte ich schreiben? „Ich habe vergessen die Unterlagen einzureichen und verspreche hoch und heilig Besserung.“ Das ist doch wirklich albern, dachte ich.
Denoch setzte ich mich gezwungenermaßen am nächsten Morgen erneut um 4:30 Uhr an den Rechner und verfasste mithilfe von ChatGPT einen Brief. In diesem erwähnte ich nun unsere achtköpfige Familie und die drei Kinder, die bereits das Gymnasium besuchen. Und natürlich entschuldigte ich mich abermals.
Ich gab das Schreiben noch am selben Tag persönlich im Sekretariat ab. Jetzt bleibt mir nur noch abzuwarten und zu hoffen, dass mein Sohn an seiner Wunschschule angenommen wird.
Fazit
Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Fristen eingehalten werden müssen, damit Schulen sinnvoll planen können. Auch einen freundlichen Hinweis, künftig besser darauf zu achten, würde ich mir natürlich zu Herzen nehmen. Was ich jedoch nur schwer nachvollziehen kann, ist, in welcher Art und Weise ich zurechtgewiesen wurde. Das wirkte eher wie eine Belehrung an ein Kind.
(Nebenbei: Ich finde, auch mit Kindern sollte man nicht auf diese Weise sprechen. Sie haben ebenso ein Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden. Meine Kinder erzählen immer wieder von Lehrkräften, bei denen in dieser Hinsicht noch etwas mehr Feinfühligkeit möglich wäre.)
Ich hätte des Weiteren von Seiten der Schule zumindest eine Erklärung erwartet, warum eine Verspätung von vier Werktagen ein derart großes Problem darstellt. Vielleicht gibt es triftige Gründe. Nur kenne ich diese nicht. Und deshalb fällt es mir schwer, die Reaktion nachzuvollziehen.
Falls der Brief, den ich verfassen musste nur eine formale Notwendigkeit ist, hätte ich auch hier eine Erklärung erwartet.
Das Gymnasium, das bisher eigentlich einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen hatte, wirkt nun leider in einem anderen Licht.
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