Als Familie ein Auslandsaufenthalt  – Ist das möglich? (1)

Ist es möglich als Familie mit schulpflichtigen Kindern für einige Monate ins Ausland zu gehen? Ja, das ist es.

Wir, eine Familie mittlerweile mit sechs Kindern, haben dieses Unterfangen  bereits drei Mal gewagt. 2014 verbrachten wir 7 Monate in Bristol (England), weitere 7 Monate im Jahr 2018 in Dun Laoghaire (bei Dublin) und den bisher letzten Aufenthalt verbrachten wir 2024 für 6 Monate in Hamilton (bei Toronto).

Zur Einordnung vorweg: Wir haben unsere Auslandsaufenthalte nie als, im eigentlichen Sinne, Auszeit begriffen. Mindestens mein Mann musste seinem Job weiter nachgehen und die Kinder besuchten Schule und Kindergarten im Ausland. Trotzdem würde ich persönlich von einer „Auszeit“ im Sinne eines kompletten Tapetenwechsels und Rauskommen aus dem Alltagstrott, sprechen. Um genau zu sein, kommt man natürlich in einen anderen Alltagstrott. Dieser fühlt sich für mich jedoch viel entspannter und zugleich aufregend an. Schon allein die Tatsache, dass wir im Ausland ohne Auto lebten, veränderte unser Tempo. Unser Leben wurde ein wenig entschleunigt.

Wir sind ins Ausland gegangen um andere Kulturen, andere Sitten, Lebensweisen und Sprachen kennen zu lernen. Und ganz wichtig, um diese Dinge an unsere Kinder zu vermitteln.

Als wir nach der Geburt unseres dritten Kindes keinen Krippenplatz bekamen, schlug mein Mann im Mai 2013 „leichtfertig“ vor, dass wir ja für ein paar Monate ins Ausland gehen könnten. Ich fand die Idee sofort gut. Ich hatte zuvor nie längere Zeit im Ausland verbracht und es stand definitiv auf meiner Wunschliste. Der Zeitpunkt war auch nicht verkehrt. Wir hatten noch keine schulpflichtigen Kinder. Also nahm ich die Sache in die Hand. Uns blieben 8 Monate für die Organisation und Planung. Denn wir wollten im Januar 2014 starten.

Das Land war relativ schnell gefunden Es sollte England werden. Wo es in England genau hin gehen sollte, hing auch von der Fragestellung der Finanzierbarkeit und der Vereinbarung mit dem Job ab.

Ich war in Elternzeit. Mein Mann ist selbständig. Also stellten wir uns die Frage, wie kann mein Mann während unseres Aufenthalts weiter arbeiten? Eine Pause kam aus finanziellen und vor allem aus unternehmerischen Gründen nicht in Frage. Mein Mann ist in der IT-Branche tätig. Er war damals an einem Büroarbeitsplatz bei seinem Kunden im Einsatz. 2013 war Homeoffice noch sehr untypisch. Wir beschlossen also, dass mein Mann gezwungenermaßen zwischen England und Deutschland regelmäßig hin und her fliegen muss. Wir planten einen zweiwöchigen Rhythmus. Durch die Selbstständigkeit meines Mannes war es  kein größeres Problem, dass er während der 7 Monate nicht so häufig in der Firma war. Er nahm nicht so viele Aufträge wie sonst an bzw. plante sie für das zweite Halbjahr ein.

Nun wussten wir, dass wir nach einem Ort mit internationalen Flughafen suchen mussten. In eine Millionen-Stadt zog es uns jedoch auch nicht. Ziemlich schnell stießen wir bei unserer Suche auf Bristol. Eine attraktive und schöne Stadt direkt am Avon mit einem wunderbaren Hafen, welcher in ein Kulturzentrum umgestaltet wurde. Wenn ich darüber schreibe und an die Zeit zurück denke, muss ich gleich anfangen zu lächeln.

Ich suchte also auf verschiedenen Plattformen im Web nach einer passenden Wohnung. Sie sollte möbliert und nicht zu weit vom Flughafen entfernt sein. Da Bristol eine Universitätsstadt ist, war das Angebot recht gut. Wir hatten Glück und fanden eine bezahlbare Drei-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss direkt am Hafen. Die Lage war einfach spitze.

Nachdem wir den befristeten Mietvertrag von Januar bis August  abgeschlossen hatten, mussten wir für die Einreise nach Großbritannien nur noch Flüge buchen und Reisepässe für die Kinder besorgen. Mehr Formalien waren nicht notwendig. Großbritannien war 2014 noch EU-Mitglied.

Des weiteren verfolgte ich von Beginn an die Idee meine beiden älteren Mädels, damals 3 und 5 Jahre, in einen Kindergarten vor Ort anzumelden. Denn unser Ziel war es ja am Leben in Bristol teilzuhaben. Doch war es überhaupt möglich einen Kindergartenplatz in Laufweite zu bekommen? Und war dieser finanzierbar? Und würden meine Kinder sich ohne Englischkenntnisse gut eingewöhnen und gerne hingehen? Im Nachhinein kann ich die Fragen mit „ja“ beantworten.

Da Kinder in England bereits mit 4 oder 5 Jahren eingeschult werden, organisierte ich für unsere 5-jährige einen kostenfreien Schulplatz nicht weit von der Wohnung entfernt. Meine Tochter ging gerne hin und fand einige Freunde. Für unsere 3-jährige fragte ich bei drei privaten Kindergärten an. Wir besuchten zwei der Kindergärten kurz nach unserer Ankunft. Obwohl die Kindergärten einiges kosteten, entschieden wir uns dafür unsere Tochter für 4 Stunden pro Tag in den Kindergarten zu geben. Sie gewöhnte sich schnell ein und hat heute noch positive Erinnerungen aus dieser Zeit.

Somit hatte ich den groben Rahmen der Abläufe für unseren neuen Alltag bereits sortiert.

Wir packten im Dezember 2013 für jedes Familiemitglied eine große Reisetasche und ein Handgepäckstück und schon ging es los. Mit drei kleinen Kindern war der Flug anstrengend, aber bei der recht kurzen Strecke machbar.

Überings, mein Englischkenntnisse waren und sind super schlecht. Denn für Fremssprachen habe ich absolut null Talent. Und glaubt mir, das ist nicht nur dahin gesagt. Durch die Auslandaufenthalte kann ich zwar mittlerweile die einfachsten Sätze formulieren, aber mein Akzent und die Grammatik sind katastrophal. Und mit dem Verstehen der Leute tue ich mich bis heute wahnsinnig schwer.

Meine 3- und 5-jährige Töchter verbesserten mich hinsichtlich Aussprache und Grammatik währen unseres Bristol-Aufenthalts innerhalb kürzester Zeit. Das war ein tolles Gefühl. Nun war ich mir sicher. Meine Kinder werden es beim Englisch sprechen in Zukunft nicht schwer haben.

Wir denken alle sehr gerne an die Zeit in Bristol zurück.

Finanziell gesehen hatten wir durch die Miete, die Flüge und die Kindergartengebühren zusätzliche Ausgaben, die wir glücklicherweise gut verkraften konnten. Kurzzeitig dachten wir darüber nach unser Haus in Deutschland während des Auslandsaufents zu vermieten. Wir entschieden uns jedoch dagegen, da uns der Aufwand für 7 Monate zu hoch erschien.

Es gibt über unsere Auslandsaufenthalte noch einiges zu berichten. Mehr von unseren Erlebnissen schreibe ich in weiteren geplanten Artikeln. Ich freue mich schon aufs Schreiben.

Bild KI generiert durch craiyon.com

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Eine Antwort zu „Als Familie ein Auslandsaufenthalt  – Ist das möglich? (1)”.

  1. Avatar von happyhenni

    Das hört sich spannend an!

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