Wie schön wäre es, wenn Deutschland nicht aufrüsten müsste

Kürzlich hörte ich ein Podcast-Interview mit Ranga Yogeshwar, dem renommierten Wissenschaftsjournalisten, bekannt unter anderem durch Quarks & Co. Eine beeindruckende Persönlichkeit: unglaublich wissensdurstig und mit einem Faible fürs Detail.

Wunschdenken zum Thema Krieg

Es klang alles sehr vernünftig was er sagte. Als es jedoch um das Thema Krieg und Aufrüsten ging, war ich über seine Aussagen sehr erstaunt. Es klang plötzlich sehr idealistisch und erinnerte eher an Wunschdenken. Er ist der Meinung, dass am Besten alle Waffen der Welt abgeschafft werden sollten. Und Deutschland solle lieber abrüsten als aufrüsten.

Costa Rica zum Beispiel hätte Waffen abgeschafft. Das sei sein Lieblingsland. Den Konsens, ohne Waffen zu leben, solle man weltweit herstellen.

Ranga Yogeshwar ist auch gegen Waffenlieferungen an die Ukraine. Als die Frage kam was er Volodymyr Zelenskyy (der Präsident der Ukraine) sagen würde, wenn er ihm Gegenüber stände, antwortete er:  Er sei kein Freund von verengten Perspektiven. Wenn wir ein Weltbild interpretieren, könnten wir nicht einen kleinen Ausschnitt nehmen und fragen: „Was würdest Du Zelenskyy sagen“.

Bisher hörte oder las ich zu den Aussagen von diversen Politikern, die von Frieden und Abrüstung sprachen,  keine aussagekräftigen Begründungen, Erklärungen und Lösungsmöglichkeiten.

Das war im Interview mit Ranga Yogeshwar anders. Hier hörte ich genauer zu. Denn es gab mir die Chance zu verstehen, warum ein Mensch, der in vielen Dingen sehr vernünftig argumentiert, eine so einseitige Meinung zum Thema Krieg und Aufrüstung vertritt.

Warum Abrüstung, statt Aufrüstung

Ranga Yogeshwar ist der Meinung, dass starkes Aufrüsten unsere Volkswirtschaft zerstöre, da wir so viele Schulden aufnehmen müssten. Es sei eine Katastrophe für folgende Generationen.

Des weitere ist er der Meinung, es werde Angst geschürt, dass 2029 der Krieg komme. Dadurch würden wir in eine Kriegswirtschaft kommen. Aber nur wenige hätten vom Aufrüsten einen finanziellen Gewinn.

Und außerdem sagte er im Interview: Wenn eine Seite aufrüste, rüste auch die andere Seite auf. Und dann würde es knistern und irgendwann würde es funken.

Das hört sich für mich im ersten Moment logisch an. Aber was passiert, wenn Russland uns angreift? Dieses Szenario ist ja definitiv nicht auszuschließen.

Mentalitätswechsel der Bürger

Zu diesem Einwurf, äußert sich Ranga Yogeshwar wie folgt: Wenn der Russe in Deutschland einmarschieren würde, hätte er davon nichts. Es gäbe in Deutschland keine Bodenschätze. Was würde er in Deutschland wollen? Versklaven würde er uns kaum. Da sei zu viel hinnsichtlich Mentalitätswechsel bei den Menschen passiert.

Weiter argumentiert Ranga Yogeshwar: Heute seien Kriege nicht mehr zu gewinnen. Sie hätten nicht mehr die Wirkung wie etwa vor zwei Jahrhunderten. Für den der das Land besetze, würde es sehr unangenehm werden. Man könne heutzutage kein Land mehr besetzen. Das würde man an den Beispielen Syrien und Afganistan sehen.

Auch der ganz normale russischen Bürger und der ganz normale chinesische Bürger wolle keinen Krieg, erklärte Ranga Yogeshwar. Dieser wolle nur ein sicheres Leben. Das sei der große Konsens und darauf könne man etwas aufbauen.

Auch das hört sich im ersten Moment logisch an. In der Realität sieht es jedoch leider ganz anders aus. Russland hat die Ukraine angegriffen.

Ranga Yogeshwar würde jetzt vielleicht sagen, dass das eine zu verengte Perspektive auf die Dinge ist. 

Aber was wäre passiert, wenn die Ukraine sich nicht gewehrt hätte. Ich denke die Chance wäre sehr groß, dass von der Demokratie in der Ukraine nicht viel übrig geblieben wäre.

Vermeintliche Lösung

Ranga Yogeshwar ist der festen Meinung, dass es möglich ist mit Russland zu verhandeln. Verhandeln sei schwer und sehr intellektuell fordernd. Man müsse die cleversten, gescheitesten Köpfe hinschicken.

Diese müssten herausfinden mit wem man reden müsse. Eventuell könne man ja etwas über Bande der Chinesen machen. Man müsse nach den Ursachen suchen und das Gesamtbild betrachten. Und das Ziel wäre laut Ranga Yogeshwar am Ende die Interessen beider Seiten zu kennen. So könnten Verhandlungen erfolgreich sein.

Machtgier und Leichtgläubigkeit

Zwei Dinge lässt Ranga Yogeshwar aus meiner Sicht völlig außer acht.

Es gibt Anführer und Diktatoren, die nicht logisch handeln, sondern ihre Ziele  und Vorstellungen ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen. Dabei kommt es häufig zu furchtbaren Verbrechen wie ethnischen Säuberung, Völkermord und Kriegsverbrechen. Solche Menschen wird es immer geben.

Die zweite Sache, die erschwerend hinzu kommt, ist, dass die aller meisten Menschen sich leicht beinflussen und hinters Licht führen lassen.

So einfältig ist der Mensch leider.

Da nehme ich niemanden aus. Es gibt Leute, die sich leichter beeinflussen  lassen und welche, die nicht so schnell alles glauben was Politiker, Medien oder andere Mitmenschen erzählen. Aber niemand ist davor gefeilt. Das merke ich auch an mir. Ich habe mich schon oft in die Irre führen lassen. Und ich wüsste nicht wie ich mich entwickeln würde, wenn ich in einem anderen Umfeld leben würde oder gar aufgewachsen wäre.

Die Kombination dieser beiden Tatsachen, Menschen, die nur nach Macht gieren und die Leichtgläubigkeit der Bevölkerung, führen leider zu Diktaturen und Kriegen.

So sehr ich mir eine Welt ohne Waffen wünsche, ich glaube nicht, dass es unter den gegebenen Voraussetzungen,  die sich leider kaum verändern lassen, realistisch ist, einen weltweiten Konsens zu erreichen, der einen vollständigen Verzicht auf Waffen ermöglicht. Aus meiner Sicht bleibt das Wunschdenken.

Gegenmittel

Trotzdem gibt es viele funktionierende Demokratien, die bewiesen haben, dass es möglich ist jahrzehnte lang in Frieden zu leben. Das ist eine große Errungenschaft, die wir uns unbedingt bewahren müssen.

Dazu ist es aus meiner Sicht notwendig sich gegen Menschen, die nach Macht gieren zu währen. Natürlich am Besten bevor es zu einem Krieg oder/und einer Diktatur kommt.

Diese nach Macht strebenden Menschen mit unter Umständen autoritären Zielen können von außen (z.B.  Putin) oder von innen (z.B AfD-Politiker) eine Gefahr werden.

Um sich gegen solche Menschen zu währen spielen aus meiner Sicht wie so oft mehrere Faktoren eine Rolle. Das sind:

  • Abschreckung durch Aufrüsten,
  • Diplomatie,
  • Verhandlungen und
  • eine Politik, die in die richtige Richtung geht und von den meisten Menschen verstanden und mitgetragen werden kann.

Denn, wenn die Bevölkerung erkennen kann aus welchem Grund Politiker so handeln wie sie handeln, ist sie nicht so anfällig für Propaganda. Und lässt sich nicht von undemokratisch denkenden Politikern in die Irre führen.

Natürlich gibt es keine perfekten Politiker und keine perfekte Politik. Kompromisse sind immer notwendig. Aber das ist das Wesen der Demokratie.

Soziale Medien spielen eine große Rolle

Aber warum hat das Vertrauen in die demokratischen Parteien abgenommen?

Ich glaube einer der Hauptgründe sind die sozialen Medien. Nachrichten und Content verbreiten sich viel schneller als früher und sind um einiges vielseitiger.  Jeder kann sehr einfach beliebigen Content generieren und verbreiten, und dadurch seine Meinung kund tun. Und diese basiert naturgemäß nicht immer auf Fakten, und kann dadurch in die Irre führen.

Das Prinzip der polarisierenden und emotionalisierenden Nachrichten, welches z.B. die AfD anwendet, hat durch die neuen Verbreitungsmöglichkeiten über sozialen Medien bei den Menschen eine viel intensivere Wirkung. Denn die Meldungen erreichen die Leute auf ihrer Lieblingsplattform und werden von „Freunden“ geteilt und geliked. Da neigt man leicht dazu vieles für bare Münze zu nehmen, welches vielleicht erst einmal hinterfragt werden sollte.

Demokratische Parteien müssen anders kommunizieren

Durch die vielen polarisierenden Nachrichten, fangen viele Leute an das Vertrauen in die demokratischen Parteien zu verlieren. Denn sie bekommen das Gefühl vermittelt: Die machen alles falsch.

Damit die Leute wieder mehr Vertrauen in die demokratischen Parteien entwickeln, müssen diese aus meiner Sicht u.a. ihre Kommunikation verändern. Wie genau das funktionieren kann, ist eine sehr gute Frage. Das ist sicherlich kein leichtes Unterfangen. Eine Sache ist hierbei wohl jedoch sicher. Die Politiker müss mehr kommunizieren, also die Entscheidungen und Gesetze erklären, immer und immer wieder. Sie müssen sie so erklären, dass der „normale“ Mensch sie verstehen kann. Und wahrscheinlich ist es ratsam die Inhalte gezielter als bisher über soziale Medien zu verbreitet, damit sie bei den Menschen ankommen.

Um so mehr ich darüber nachdenke um so klarer wird mir, dass die Politiker das Thema Kommunikation in der heutigen Zeit nicht mehr so stiefmütterlich behandeln dürfen.

Natürlich ist das nicht der einzige Faktor. Wichtig ist es z.B. auch den Menschen zuzuhören, sich in ihre Situation zu versetzen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und entsprechend in Gesetze zu gießen.

Demokratien müssen sich vermehren

Um nun den Bogen zum ursprünglichen Thema zu spannen: Das Vertrauen in die demokratischen Parteien ist gesamtheitlich gesehen ein sehr wichtiger Punkt um Diktaturen und Kriege in der Welt zu vermeiden. Denn um so mehr funktionierende Demokratien es auf der Welt gibt, um so geringer ist die Gefahr, dass Kriege geführt werden.

Ich bin, so wie auch Ranga Yogeshwar ein sehr positiv denkender Mensch. Deshalb glaube ich daran, dass wir es schaffen können die Demokratie zu verteidigen und sie in der Welt zu vermehren.

Neben den bereits genannten Faktoren kommt es auch auf jeden Einzelnen an. Jeder Mensch trägt hierbei Verantwortung, nicht nur die Politik. Der Dialog mit unseren Mitmenschen bleibt entscheidend. Wir dürfen nicht aufhören zu kommunizieren und zu diskutieren. Da müssen wir unermüdlich sein.

Noch zu erwähnen: Das Podcast-Interview mit Ranga Yogeshwar vom 30.04.25 hörte ich bei Hotel Matze.

Bild KI generiert

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