Als ich letzten Mittwoch im Auto saß, um eine meiner „vielen“ Töchter ins Fußballtraining zu fahren, rief mich meine 16-Jährige von zu Hause aus an. Sie fragte mich, ob ich schon bemerkt hätte, dass eine unserer Enten tot im Garten liege. Nein, das hatte ich nicht. Es seien keine Verletzungen zu erkennen, erklärte meine Tochter noch.
Ich war überrascht und wollte wissen, ob es die Mutter-Ente sei. Ich stellte die Frage nicht, weil die acht jungen Enten noch von ihrer Mutter abhängig wären, sondern weil es sich schlicht und einfach um die älteste Ente handelt. Meine Tochter verneinte die Frage.
Es war uns ein Rätsel, warum die junge Ente gestorben war. Sie war doch erst im Herbst aus ihrem Ei geschlüpft.
Als ich nach Hause kam, erzählte mir meine Tochter noch, dass unsere 8-jägrige die tote Ente entdeckt hätte. Sie kam zu meiner 16-Jährigen in die Küche und berichtete, dass eine Ente ganz ruhig da liegt und sich nicht mehr bewegt. Meine Älteste nahm das erst gar nicht richtig war und erklärte sich die Aussage damit, dass die Ente wohl ein Nickerchen machte, so wie es bei Enten mehrmals am Tag vorkommt. Als meine 8-jägrige nach einiger Zeit noch einmal in die Küche kam und sagte, dass sie glaube, die Ente sei tot, wurde meine Älteste hellhörig und ließ sich die Ente zeigen.
Sie lag mitten im Garten hinter unserem Trampolin. Als ich wieder zu Hause war, grub ich in unserem kleinen Wäldchen ein Loch für sie. Meine 4-jährige stand neben mir und inspizierte die Schilder mit den Namen unserer verstorbenen Hühner und Eichhörnchen, die wir auch schon im Wäldchen vergraben hatten. Die Kinder bestanden „damals“ darauf, dass die Gräber Schilder bekamen.
Plötzlich meinte meine 4-Jährige: „Mama unsere Ente braucht auch einen Namen. Wir nennen sie jetzt einfach Abbey“. Ich war erstaunt, wie bestimmt meine Jüngste sich ausdrückte. Und fragte mich wie schnell sie auf den Namen gekommen war. Aber ja, wir nannten die verstorbene Ente ab sofort Abbey.
Am Abend als alle Familienmitglieder zu Hause waren, begruben wir die Ente. Ich wollte allen Kindern, die Chance geben sich zu verabschieden. Meine vier Jüngsten kamen mit ins Wäldchen. Jeder streute etwas Erde auf die Ente. Mein 12-jähriger schaufelte den Rest der Erde ins Loch. Die gesamte Zeit sagte meine Kleinste mit weinerlicher Stimme, dass Abbey jetzt tot sei.
Als wir wieder im Haus waren, versteckte sich mein 10-jähriger Sohn auf unserem Sessel unter einer Decke und kam nicht zum Zähne putzen. Er weinte und war sehr traurig. Ich musste ihn an diesem Abend einige Zeit lang trösten. Er kam noch mit ins Zimmer meiner zwei Jüngsten und hörte beim abendlichen Vorlesen zu, was er sonst nicht tut.
Ich war auch traurig. Und mir wurde bewusst wie unterschiedlich die Kinder auf solch einen Verlust reagieren.
Es war gar nich einfach die Fragen meiner Kindern zum Thema Tod so zu beantworten, dass sie ihrem Alter entsprechen und keine Angst machen.
Insbesondere meine Jüngste stellte mir an diesem Abend einige Fragen. Sie wollte wissen, ob wir die Ente nochmal ausgraben könnten, wenn wir sie nochmal anschauen wollen. Und sie hatte auch Sorge, dass ich mal sterben könnte.
Das Thema Tod gehört zum Leben dazu. Vielleicht ist es ganz gut, wenn Kinder die ersten Berührungspunkte hierzu mit Haustieren haben.
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