So wie jede Ferien stellte ich zusammen mit meinen Kindern auch für die gerade zurückliegenden Osterferien eine Ferienwunschliste auf. Die Liste beinhaltete die üblichen Dinge: Eis essen, ins Schwimmbad gehen, ins Kino gehen, Ostereier anmalen.
Vormittags arbeitete ich im Home Office. In unserer Telefonkonferenz am Mittwoch, kündigte meine Jüngste lautstark an, dass sie heute unbedingt zum Schwimmen möchte. Also beschloss ich kurzerhand nach Beendigung der Besprechung, ihre Forderung in die Tat umzusetzen.
Wir fuhren in unser Lieblingsschwimmbad. Es war in den Ferien sehr voll. Vielleicht kann man auch von überfüllt sprechen. Ich gebe zu, ein überfülltes Schwimmbad ist wirklich nicht jedermanns Sache. In einer ruhigen Minute setzte ich mich ans Beckenrad und sah zufrieden dem Treiben meiner und der anderen Kinder zu. Es wurde getaucht, gespritzt, im Wasser fangen gespielt und richtig viel gelacht. Ich genoss dieses Bild mit dem Wissen, dass es Schwimmbäder gibt in denen sich Kinder nicht so frei bewegen können.
Letztes Jahr um diese Zeit, lebten wir für Sechs Monate in Hamilton (bei Toronto). Auch hier gingen wir auf Wunsch unserer Kinder in den Märzferien alle zusammen ins Schwimmbad. Als wir gegen 13 Uhr ankamen war ich etwas überrascht, dass es hieß, wir müssen noch 20 Minuten warten bis das Bad öffnet. Denn auf der Webseite waren Öffnungszeiten von 8:30 bis 16:30 angegeben. Als es dann endlich soweit war, stürmten meine beiden Jungs ins große Becken und fingen an wie gewohnt zu plantschen und zu tauchen. Das Vergnügen hielt leider nicht lange an. Nach wenigen Sekunden stand der Bademeister am Beckenrand und erklärte, dass hier nicht gespritzt und auch nicht getaucht werden darf. Das überraschte uns und wir fragten uns, ob genau diese Dinge nicht auch Sinn und Zweck eines Schwimmbadbesuches sind. Zumal es sich bei den Besuchern hauptsächlich um Familien mit Kindern handelte. Wir wollten trotzdem das Beste daraus machen.
Mein Mann blieb bei den Großen im Schwimmerbecken. Ich ging inzwischen mit meinen beiden Jüngeren Mädels ins Nichtschwimmerbecken. Es dauerte nicht lang bis auch ich Anweisungen von einer Bademeisterin bekam. Sie wies mich darauf hin, dass ich im Wasser immer in Reichweite beider Kinder stehen müsse. Obwohl beide Kinder eine Schwimmhilfe trugen, war es nicht möglich mich von ihnen auch nur einen Schritt wegzubewegen.
Etwas später stand mein damals 9-jähriger vor mir und meinte er dürfe nicht in den Schwimmerbereich des großen Beckens. Er müsse erst einen Test beim Bademeister ablegen. Ich schaute ihn ungläubig an. Aber mein Sohn hatte recht. Als ich zu meinem Mann rüber schaute, sah ich, dass mein anderer Sohn dem Bademeister gerade vorführte wie er schwimmen kann. Daraufhin bekam er ein Armband, welches zeigte, dass er sich im Schwimmerbereich aufhalten durfte. Grundsätzlich eine gute Sache. Mein 9-jähriger weigerte sich jedoch den Test abzulegen. Vielleicht weil der Bademeister sehr unfreundlich wirkte. Denn an den Fähigkeiten meines Sohnes konnte es nicht liegen. Er war und ist ein guter Schwimmer. Er blieb an diesem Nachmittag bei mir im Nichtschwimmerbecken.
Es dauerte nicht lang bis die Schwimmmeisterin ein weiteres Mal vor mir stand und mich darauf hinwies, dass es nicht möglich sei als einziger Erwachsene drei Kinder im Nichtschwimmerbecken zu beaufsichtigen. Jetzt wurde es mir langsam zu bunt. Ich war gezwungen meinen Mann ins Nichtschwimmerbecken zu rufen.
Wir kamen im Laufe unseres anderthalbstündigen Besuches noch weitere Male mit den Bademeistern in Kontakt. Es war verboten am Beckenrand zu sitzen, auf der Treppe, die ins Becken führte, durfte sich nicht aufgehalten werden, usw.
Die Bademeister am Nichtschwimmerbecken waren hauptsächlich damit beschäftigt die Gäste im Becken durchzuzählen. Denn ab einer gewisse Anzahl von Badegästen, durften keine weiteren Besucher mehr ins Becken reingelassen werden. Man hatte das Gefühl, dass das Zählen wichtiger war als darauf zu achten, dass niemand in Not gerät.
Es dauerte nicht lang bis mein Sohn den Wunsch äußerte er wolle lieber wieder nach Hause fahren. Das meine Kinder jemals freiwillig ein Schwimmbad verlassen wollen, hätte ich nicht für möglich gehalten.
Also beschlossen wir langsam zu den Umkleiden aufzubrechen. Mein Mann schwamm mit den älteren Kindern noch einige Runden im Schwimmerbereich. Ich zog meiner Kleinsten inzwischen schon einmal den nassen Badeanzug aus und wickelte ihr stattdessen ein Handtuch um. Das war ein Fehler. Die Bademeisterin sprach mich gleich wieder an, uns wies mich darauf hin, dass ich meiner Tochter den Badeanzug im Badebereich nicht ausziehen dürfe.
Beim Rausgehen bemerkten wir, dass die Badezeit bereits für alle Leute beendet war. Denn auch alle anderen verließen das Schwimmbad. Anscheinend war das Bad nur für ein anderthalbstündiges Zeitfenster für „öffentliches Schwimmen“ freigegeben. Bei diesen strengen Regeln kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen, dass es Familien viel länger aushalten.
Ich kann es sehr nachvollziehen, dass Gewisse Regeln beim Baden aufgestellt werden müssen. Die gibt es in unseren Bädern auch. Zum Beispiel nicht vom Beckenrand ins Wasser springen. Oder in Bahnschwimmbereichen darf nicht gespritzt und gespielt werden.
Auch ist mir bewusst, dass Wasser richtig gefährlich werden kann, insbesondere für Kinder, die noch nicht schwimmen können. Aber sollte deshalb auch gleich das Tauchen komplett verboten werden? Ist das nicht sogar kontraproduktiv?
Wir besuchten während unseres Aufenthalts in Hamilton im Sommer ein weiteres öffentliches Schwimmbad. Es handelte sich hierbei um ein Freibad. Auch hier waren die Regeln genauso streng. Der Vorteil in diesem Bad war jedoch glücklicherweise, dass die Bademeister sie nicht ganz so genau nahmen. Auch hier gab es jeweils mehrere zweistündige Zeitfenstern pro Tag nach deren Ablauf die Badegäste das Freibad wieder verlassen mussten. Diese Tatsache finde ich etwas befremdlich. Zumal das Freibad nicht überfüllt war. Auch auf Liegeflächen wird in Hamilton verzichtet. Also keine Wiese, wie wir es aus Freibädern bei uns kennen.
Es muss noch dazu gesagt werden, dass es in Hamilton nicht nur die öffentlichen Schwimmbäder gibt. Am Ende unseres Aufenthalt waren wir in einem privaten Erlebnis-Freibad. Dieses hatte in den Ferien für acht Wochen geöffnet. Der Besuch war klasse. die Kinder hatten großen Spaß. Sie durften plantschen, spitzen, tauchen, rutschen und vieles mehr. Der Preis konnte sich natürlich insbesondere für eine 8-köpfige Familie blicken lassen. Aber das haben Erlebnisbäder so an sich.
Fazit: Durch die Erfahrung, die wir in Hamilton gemacht haben, sehe ich die Schwimmbadbesuche bei uns zu Hause nun mit ganz anderen Augen. Ich finde es herrlich wie die Kindern plantschen, toben und tauchen dürfen.
Bild KI generiert durch craiyon.com

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