Das vorletzte Wochenende verlief im Großen und Ganzen wie etliche davor. Es gab, wie sehr oft, zwei Fußballspiele unserer Jungs zu bedienen. Wir hatten wie immer einige Lern- und Hausaufgaben auf unserer Liste. Aufräumen und Saugroboter starten standen auch auf dem Plan.

Mein Mann fuhr also nach dem Frühstück mit unserem älteren Sohn zum ersten Fußballspiel an diesem Wochenende. Und ich versuchte mich zu sortieren, Das war gar nicht so einfach. Denn meine Jüngste löcherte mich bereits seit einer halben Stunde damit, dass sie etwas mit mir spielen wolle. Meine Zweitjüngste holte ihren Kasten zum Kristalle züchten aus dem Regal und bat mich zu helfen. Daraufhin sagte ich, dass wir dafür erst den Basteltisch aufräumen müssten. Der Basteltisch steht im Wohnzimmer und war wie immer zugemüllt mit allem möglichen Zeug. Also fing ich an aufzuräumen. Meine Tochter nahm sich gleich die erste freie Ecke, fing den Kasten auszupacken, und erklärt mir wie man vorgehen müsse. Sie brauche eigentlich nur die Hilfe beim heißen Wasser.

Inzwischen fiel meiner Jüngsten auf, dass sie Hunger hatte. Ich schlug ihr verschiedene Schacks vor. Sie war, wie so oft, mit allem unzufrieden und blieb vorerst hungrig. Meine Älteste kam die Treppe runter und verlangte mein Handy um etwas rauszusuchen was ich ihr unbedingt bestellen müsse (ein Kleidungsstück). Ich gab ihr widerwillig das Handy.

Meine Jüngste beschwerte sich wiederum lautstark, dass sie Hunger hätte. Meine andere Tochter meckerte, dass ich ihr immer noch nicht die richtige Menge heißes Wasser ins Schüsselchen gegeben hatte. Meine Älteste forderte, dass ich ihr am Besten sofort das Kleidungsstück bestelle, sonst wäre es, wie neulich, schon wieder nicht mehr verfügbar. Nun meldete sich noch mein anderer Sohn zu Wort, ihm sei langweilig. In diesem Moment fiel mir ein, dass ich mit ihm dieses Wochenende HSU lernen musste. Er war davon wenig begeistert.

Meine Zweitälteste kam verschlafen die Treppe runter, schaute in den Kühlschrank und sagte vorwurfsvoll: „Mama, ich dachte du wolltest Mozzarella kaufen? Ich antwortete, dass ich das ja am Freitag getan hätte. Sie reagierte darauf mit der nächsten Forderung: „Und wann gehst Du endlich mit mir einkaufen. Ich brauche Hosen und Schuhe. Du hast es versprochen.“ Ja, das hatte ich in der Tat, schon seit mehreren Wochen.

Nachdem ich es an diesem Morgen irgend wie geschafft hatte die Kristalle zusammen mit meiner Tochter anzusetzen, meine Kleinste mit Snacks zu versorgen und die Bestellung für meine Älteste auszulösen, beschloss ich kurzerhand heute Nachmittag mit meiner zweitältesten Tochter zum Einkaufen zu fahren. Ich konnte es nicht noch länger rausschieben. Also weiter im Programm. Ich lernte mit meinem Sohn HSU, spielte mit meiner Jüngsten ein Spiel, versorgte alle mit Mittagessen.

Nachdem mein Mann vom Fußballspiel meines älteren Sohnes wieder nach Hause kam, sollte es losgehen. Und zwar ohne die Kleinen. Es dauerte noch anderthalb Stunden bis wir das Haus endlich verließen. Denn der Lernplan für Latein, den mein Sohn und ich aufgestellt hatten, musste auch noch durchgesprochen werden. Die Schulaufgabe stand an.

Als wir dann schon auf dem Sprung waren fiel meiner zweitjüngsten Tochter auf, dass sie unbedingt noch losfahren wollte, um sich etwas von ihrem Taschengeld zu kaufen. Also überredete ich meinen älteren Sohn kurzerhand, dass er, bevor er Latein lernt, mit meiner Tochter zusammen mit dem Fahrrad zum Einkaufen fährt.

Nun konnten wir endlich los. Wir fuhren zu einer großen Einkaufpassage bei uns in der Nähe. Es war ein verregneter Tag. So war es nicht verwunderlich, dass wir im Stau landeten. Der Einkaufsbummel an sich war sehr entspannt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ohne die Kleinen einkaufen war. Meine Tochter überredete mich noch in ein Running Sushi zu gehen. Es war toll. Ich konnte mich seit langem mal ganz in Ruhe mit ihr unterhalten. Sie wies mich ab und zu darauf, dass ich nicht so laut sprechen solle. Das erinnert mich an meine Mutter, die mir auch immer zu laut ist.

Die kurzfristige Planänderung zum Einkaufen zu fahren war eine gute  Entscheidung. Auch wenn ich es an diesem Tag nicht mehr schaffte den Saugroboter zum laufen zu bringen. Und auch die Lateinaufgaben meines Sohnes konnte ich nicht mehr kontrollieren und korrigieren.

Es ist nicht leicht allen Kinder genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Und es ist nicht leicht, dabei ruhig zu bleiben und nicht patzig zu werden. Ich habe mit der Zeit begriffen, dass es nichts bringt zu glauben, dass die Kinder sich in meine Lage versetzten können. Auch die Älteren nehmen oft nur ihre Bedürfnisse war. Ich bitte die Kinder regelmäßig mal zu überleg wieviel ich gerade um die Ohren habe. Und frage sie, ob ihnen bewusst ist, das ich nicht alle auf einmal bedienen kann. Manchmal bringen sie Verständnis auf. Aber oft auch nicht.

Nehme ich mir zu wenig Zeit für die Kinder? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Bekommt jedes Kind zum richtigen Zeitpunkt das richtige Maß an Aufmerksamkeit? Bei sechs Kindern ist es gezwungenermaßen oft weniger Aufmerksamkeit als in anderen Familien. Aber ich bin davon überzeugt, dass es viele verschiedene Faktoren und Wege gibt, Kindern eine gute und behütete Kindheit zu schenken. In unserem Fall spielen sicher die Beziehungen der Geschwister untereinander eine große Rolle. Und in diesem Punkt habe ich ein richtig gutes Gefühl. Es ist schön zu sehen wie sich die Geschwister untereinander helfen. Mein Viertklässler zum Beispiel fragt meinen Sechstklässler manchmal die Vokabeln ab. Meine 14-jährige holt meine 4-jährige vom Turnen ab. Meine 16-jährige lernt mit meinem Viertklässler für Tests. Und es gibt noch sehr viele Dinge mehr, die mich immer wieder spüren lassen, dass bei uns grundsätzlich ein gutes Familienklima herrscht. Die täglichen Streitigkeiten, die sehr lautstark und intensiv ausgetragen werden, bleiben natürlich nicht aus. Aber irgendwie finden am Ende alle wieder zusammen.

Nicht das der Eindruck entsteht, dass ich immer ruhig und gelassen bleibe. Nein, ich werde oft sauer und laut, wenn mal wieder alles auf einmal auf mich einstürmt und tausende Vorwürfe meiner Kinder zu hören sind.

Das wichtigste ist: Ich bin glücklich mit meiner Familie.

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